Coronakrise

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Auf den Straßen ist es fast so still geworden, wie ich es sonst nur an Feiertagen kenne. Normalerweise leeren sich die bis auf den letzten Platz zugeparkten Bürgersteige vor meiner Wohnung tagsüber, um sich abends nach endlosem Kreisen um den Block wieder zu füllen. In meinem Corona-Zwangsurlaub schlafe ich selig bis um 9, anstatt gegen 6 Uhr von den ersten Pendlerautos geweckt zu werden.

Wer kann, bleibt in Zeiten von Corona im nächsten Umfeld, um sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen. Reisen sind weder angemessen noch macht es Spaß, am Urlaubsort in der Bude zu hocken, die Grenzen in andere Länder sind ohnehin dicht. Trotzdem rollt der Verkehr auf den Autobahnen, nicht zuletzt für den Transport dringend benötigter Güter.

Mit Hunderten von Menschen auf engstem Raum auf einem Kreuzfahrtschiff – vor vier Wochen für manche ein Traumurlaub, heute unvorstellbar. Auch der Flugverkehr ist beinahe zum Erliegen gekommen. Wie oft frage ich mich sonst mit Blick nach oben, wo die Menschen wohl alle hin wollen, wie selbstverständlich sie in den Flieger zu steigen scheinen, allen Flugscham-Debatten zum Trotz. Jetzt blicke ich in einen blauen, stillen Himmel.

Noch ist wissenschaftlich nicht genau festzustellen, in welchen Umfang der CO2- und Stickoxid-Ausstoß durch den Einbruch im Verkehr und durch geringeren Energieverbrauch in der Industrie im Rahmen der Coronakrise weltweit zurückgegangen ist. Dies werden erst die Zahlen im Rückblick zeigen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die globalisierte Wirtschaft wieder in denselben Bahnen läuft wie zuvor.

Der entscheidende Punkt ist, ob der durch die Pandemie erzwungene „Reset“ unserer rasenden Gesellschaft zu einem Umdenken führt, zu einer Besinnung auf die Dinge, die wichtig sind und zufrieden machen bei weniger Mobilität und Konsum. Nutzen wir die Chance, in der Zeit nach Corona menschen- und umweltfreundliches Wirtschaften zu stärken, von staatlicher Seite und in unserem individuellen Handeln! Wir zeigen gerade, wie viel Veränderung möglich ist, wenn die Dringlichkeit erst erkannt ist.

Weiterführende Links

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