Plastikfasten

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Die Fastenzeit steht an: Statt Fleisch oder Süßigkeiten fasten wir Plastik. Denn Plastik ist inzwischen nicht nur zu Hause in jedem Zimmer zu finden, sondern auch in der Umwelt. Und das ist ein Problem, gerade für die Ozeane und ihre Bewohner, aber auch für uns. Meerestiere und -vögel halten große Plastikteile manchmal für Nahrung oder Nestmaterial und fressen es oder strangulieren sich damit. Außerdem wird Kunststoff durch UV-Strahlung und Wellen immer kleiner (oder ist schon klitzeklein, Stichwort „Mikroplastik“) und gelangt so auf Umwegen wieder zu uns zurück, zum Beispiel im Fisch auf unseren Tellern. Wir reduzieren unseren Plastikkonsum zum Beispiel bei Lebensmittel, Kosmetik und Kleidung. Hier können Sie von unseren Erfahrungen lesen und Tipps bekommen. Machen Sie vielleicht sogar mit beim Plastikfasten? Franziska, Verena, Xenia und Chantal berichten von ihren Erfahrungen.

Xenia und Chantal versuchten Mikroplastik in Ihrem Alltag zu minimieren: Plastikalarm bei Xenia im Bad!! Sie möchte die Fastenzeit nutzen um ihre Kosmetikartikel plastikfreier zu machen. Als ersten Schritt hat sie dafür alle Produkte, die sie relativ regelmäßig nutzt zusammengesucht. Ganz schöner Haufen – aaaah! Mit der App "Beat the Microbead" und der Greenpeace Checkliste für Mikroplastik hat sie als zweites die Inhaltsstoffe gecheckt und die ganzen Tuben, Tiegel und Flaschen in drei Haufen geteilt: mit Mikroplastik, ohne Mikroplastik aber mit Plastikverpackung und ganz ohne Plastik. Trauriges Ergebnis: Nur die Handseife, die sie vor Jahren mal selbst gemacht hat kommt gänzlich ohne Plastik aus. Ansonsten hat alles mindestens einen Plastikdeckel oder ein Sichtfenster aus Plastik. Der nächste Schritt ist nun das ganze Zeug nach und nach mit plastikfreien Alternativen zu ersetzen und – ihr ganz wichtig – auch zu reduzieren. Sie begibt sich auf die Suche!

Besonders oft findet sich Mikroplastik in Peelings – die kleinen Kügelchen sollen alte Hautschüppchen entfernen und die Haut schön weich machen. Deshalb hat Xenia heute einfach ihr eigenes Peeling gemacht. Und es gleich ausprobiert. Das Video ist auf unserer facebook Seite zu finden.

Chantal probierte mal Erde statt Plastik als Hautpflegemittel aus. Ob Heilerde aus Deutschland, grüne Erde sonnengetrocknet aus Frankreich oder Ghassoul/ Rhassoul aus Marokko, sie eignen sich gut für Gesichtsmasken und für die Pflege von Haar und Haut. Chantal hat es ausprobiert und vor allem das Auftragen der Erde auf die Haut mochte sie besonders.
Es gibt viele verschiedene Produkte, die man sich mit Wasser anrühren kann, und ganz ohne Plastik sind.
Wenn Sie wissen wollt, ob in euren Badartikeln Plastik ist, dann guckt euch mal diese Checkliste für Mikroplastik an, hinter denen Plastik steckt.

Franziska und Verena würden gerne plastikfrei einkaufen: Lebensmittel einkaufen ohne Plastikverpackung – Geht das überhaupt?
Dieser Frage ist Franziska nachgegangen und sie hat zum ersten Mal einen verpackungsfreien Supermarkt besucht. Das Prinzip ist folgendes: „Man bringt seine eigenen Behältnisse mit, die werden abgewogen und dann befüllt man sie mit den gewünschten Lebensmitteln. Dann wird nochmal gewogen, bezahlt wird für die Differenz“, erklärte ihr die Ladenbesitzerin. Die Ladenbesitzerin selbst bekommt Lieferungen in 25 Kilo-Säcken, die sie dann in die Glaskästen füllt, die ihr auf den Fotos sehen könnt. Die Kurse, in denen man lernt, selbst Bienenwachstücher als Ersatz für Frischhaltefolie herzustellen oder in denen Kosmetik selbst zusammengemischt werden kann, haben Franziska dann letztlich überzeugt. Sollte so ein Laden auch in Wuppertal eröffnen, ist sie die erste Stammkundin.

Sehr einfach lassen sich Einwegwasserflaschen vermeiden. Wasser aus der Leitung statt aus der Einweg-Plastikflasche. Der Anteil an Einweg-Plastikflaschen bei Getränken liegt inzwischen bei über 50%. Jeder Deutsche verbraucht im Mittel pro Jahr mehr als 200 Plastikflaschen. Ein großer Teil davon ist Mineralwasser. Dabei ist die Trinkwasserqualität in Deutschland in den meisten Regionen sehr gut. Eine Alternative für Mineralwasser mit Kohlensäure ist, selber einfach mit einem Sprudelgerät kohlensäurehaltiges Wasser zu produzieren. Das hat neben der Müll-, Öl- und Energieeinsparung auch den Vorteil, dass keine Wasserflaschen mehr geschleppt werden müssen und es ist auch wesentlich billiger, als Mineralwasser aus Flaschen, das eigentlich völlig unnötig ist.

Verena war vor ein paar Jahren mit ihrer Familie in Marokko. Dort entdeckten sie eine sehr interessante Pflanze: den Plastiktütenbaum. Da es dort bei jedem noch so kleinen Einkauf eine Tüte dazu gab, hatte jeder diese im Überfluss. Somit wurden die Bäume damit verziert. Naja fast... Es hatte sich kein Mensch die Mühe gemacht diese Plastiktüten an den Bäumen aufzuhängen, sondern sie wurden einfach achtlos in den Straßengraben geworfen und der Wind trug sie weiter, bis sie sich dann in den Dornen der Bäume verfingen. Es sah auf jeden Fall interessant aus, aber muss das wirklich sein?
Auch in hier bei uns gab es bis Mitte 2016 überall eine Plastiktüte kostenlos, um den Einkauf zu transportieren. Doch das wachsende Umweltbewusstsein führte dazu, dass benötigte Plastiktüten inzwischen nur gegen Entgelt herausgegeben werden. Dies soll beim Kunden auch dazu führen, sich die Frage zu stellen:
„Brauche ich diese Tüte denn wirklich, oder geht das eigentlich auch anders?“
Verena hat zum Beispiel immer, wenn sie Einkaufen geht oder einfach nur einen Stadtbummel macht, einen mehrfachverwendbaren Stoffbeutel als "Reserveplatz" dabei. Neben dem Wissen unserer Umwelt etwas Gutes getan zu haben, ist hierbei auch schön, dass man seiner Kreativität freien Lauf lassen kann. So besteht die Möglichkeit, dass sie ihre Stofftasche auch selbst sehr gut verschönern könnt, indem ihr zum Beispiel etwas darauf malt, annäht oder aufdruckt. So kann dies auch als Geschenk dienen.
Natürlich haben Plastiktüten auch ihre Vorteile und sind manchmal auch fast unvermeidbar. Dennoch sollte man sich Gedanken über die mögliche Weiterverwendung machen. Beispielsweise benutzt Verena Gefrierbeutel nicht nur einmal und die Obsttüten aus dem Supermarkt dienen bei ihr dannach als Mülltüte.

Chantal informierte sich über plastikfreier Kleidung und sie kam zu dem Schluss: Leinen – damals wie heute ein tolles plastikfreies Material!

Hallo zusammen, plastikfreie Kleidung, woraus könnte sie bestehen? Vor 73 Jahre, baute die Familie meiner Oma Flachs an, woraus Geschirrhandtücher gesponnen und gewebt wurden (ohne Strom). Sie sehen schön aus und ich staune sehr und bewundere diese Kunst. Auch heute gibt es Kleidung aus Leinen. Achtet selbst beim nächsten Einkauf auf die Labels Regional, Bio, Fair und ohne Plastik. Meine Oma erzählte mir über die frühere Herstellung von Kleidungsstoffen: Als erstes wurde auf dem Feld Flachssamen gesät. Man ging zu Fuß übers Feld und streute die Samen aus. Dann ließ man den Flachs wachsen bis zur Blüte und solange bis sich oben kleine Samenkörner (groß wie kleine Kugeln) gebildet hatten. Diese mussten reif sein. Dann wurde der Flachs mit der Wurzel ausgezogen, die Erde wurde etwas abgeschlagen und dann eine handvoll Flachsstängel gebündelt. Viele kleine Bündel wurden dann zu einem großen zusammengebunden. Diese Bündel wurden dann ca. 8 Tage im Teich gewässert. Dadurch wurde das Holz von den Stielen weich.
Nach 8 Tagen hat man die Bündel raus geholt, abtropfen lassen und dann im Backofen getrocknet. Dabei teilten sich 3 Familien einen großen Backofen in einem der Häuser.Alle 14 Tage, hat der Vater meiner Oma den Ofen mit Holz eingeheizt und gebacken, jede andere zweite Woche der andere Nachbar. Gebacken wurde zuerst das Brot, dann kamen über Nacht die Bündel des Flachses in den großen Ofen. Sie wurden abgeheizt. Am nächsten Morgen war es dann fertig getrocknet und der Ofen kühler.Die Bündel, wurden im Brakgerät gebrakt, das heißt, sie wurden solange von der einen und dann von der anderen Seite hineingehalten, bis alles Innere (holzige) raus war und die Fasern weich waren. Die übrig gebliebenen Bündchen legte man hin und band 20 Stück mit Stroh zusammen. Diese waren nun bereit, gesponnen zu werden. Man legte nun den Flachs auf den Wocken, zwirnte es (man zieht etwas raus), dieser so entstandene, gedrehte Faden wurde auf die Spule gedreht und so aufgewickelt. Der Faden wurde dann zum Weben verwendet, meine Oma webte damals an einem mechanischen Webstuhl. Der auf den Webstuhl aufgezogene Leinen wurde an den Anfang des Aufzugs angeknüpft und wurde dann durch abwechselnden Hand- und Fußantrieb durch den Baumwollaufzug reingeschossen; er bildete den Einschlag (Schuss/ Breite). Die farbigen Roten und blauen Streifen, die das Muster bilden, sind fertig gekaufte Baumwollfäden. Weben konnte meine Oma dann einige Meter am Tag. Die Geschirrhandtücher sind auf diese Weise von ihr hergestellt worden.

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Verwerten statt Wegwerfen